Das Schleifer Kirchspiel
Januar/Februar "Camprowanje - Zampern"
Sehr beliebt ist das Zampern in allen Dörfern des Kirchspiels vor der Fastenzeit. Eine lustige, singende, teils auch von Musikern begleitete Gesellschaft von verkleideten Personen, zu denen auch Figuren, wie Storch, Bär, Schimmelreiter, Schornsteinfeger, Zweigesicht und Eierfrau gehören, zieht von Haus zu Haus, um kleine Gaben wie Eier, Speck, Geld u.a. einzusammeln. Als Dank erhalten die Bewohner einen kleinen Schnaps und ein Ständchen und treffen sich später zum gemeinsamen Tanz.
Ostern "Debjenje jutrownych jejkow - Ostereierverzieren, jutrowne spěwanje - Ostersingen, jutrowna woda - Osterwasser, walkowanje - Waleien"
Am Karfreitag verzieren Kinder, Eltern und Großeltern Ostereier in Wachstechnik, die dann am Ostersonntag den Patenkindern geschenkt werden. In Rohne und Schleife pflegen die "Schleifer Kantorki" in der Osternacht die einst überall verbreitete Tradition des Ostersingens der Mädchen und Frauen, wobei sorbische Kirchenlieder der Passionszeit erklingen. Vor Sonnenaufgang am Ostersonntag gehen Mädchen schweigend zur Quelle oder zum Fließ, um Wasser zu schöpfen, welches Zauberkraft hat. Ein österlicher Brauch, der sich auch heute wieder zunehmender Beliebtheit erfreut, ist das Waleien. Ursprünglich liegt ihm ein Zauber zu Grunde, bei dem durch das Kullern von Eiern (als Fruchtbarkeitssymbol) über Wiesen und Felder deren Erträge positiv beeinflusst werden sollten. Mit Erde oder mit hellem Kies wird eine abschüssigen Bahn ( "walka") angelegt an deren Fuß sich eine kleine Grube befindet. Man nutzt auch natürliche Hügel oder legt entsprechende Gruben an. Von den Kindern werden gefärbte Eier heruntergerollt. Berührt ein Ei andere, so gehören diese dem Spieler. Dabei gibt es viele Spielvarianten.
30. April "Chodojtypalenje - Hexenbrennen"
Mit dem Hexenbrennen in der Walpurgisnacht des 30. April sollen die Hexen vertreiben werden, die zwar für die Menschen ungefährlich waren aber über das Vieh Unheil brachten. Am Walpurgisabend versammelt sich die Dorfbevölkerung am Feuer, Kinder und Jugendliche zünden den Hexenhaufen an. Mit brennenden Besen schlagen sie Kreise, um die Hexen zu verscheuchen.
Sommer/Herbst "Kołorejtowanje - Ringreiten"
In Halbendorf versuchen treffsichere und schnelle Reiterinnen und Reiter im Galopp in mehreren Durchgängen einen Speer durch einen Ring aus Eichenlaub zu werfen.
Der beste Reiter bzw. die beste Reiterin bekommen von den sorbischen Mädchen des Dorfes den Pokal überreicht. Die Jugend führt zu diesem Fest einen Reigentanz auf, bei dem die Jungen festlich gekleidet sind und die Mädchen die Schleifer Tanztracht tragen."
Adventszeit "Bože dźěćetko - Das Christkind"
In der Adventszeit geht das Christkind "dźěćetko" umher, schweigend mit verhülltem Gesicht und in einer besonders herausgeputzten Tracht, die in jedem der sieben Dörfer gewisse Unterschiede aufweist. Begleitet von zwei Mädchen in Schleifer Tracht, beschenkt es - heute zunehmend auf Weihnachtsfeiern - Kinder mit kleinen Gaben und wünscht durch Streicheln mit der Hand und Auflagen der Rute auf die Schultern den Erwachsenen Gesundheit und Glück... Bis in die dreißiger Jahre gab es nur das "dźěćetko" in diesem Kirchspiel, erst später kam dann der deutsche Weihnachtsmann dazu.
